(Der Inhalt wurde anlässlich der New Wine Church vom 25. August 2017 gepredigt)

Und die Apostel sprachen zum Herrn: Mehre uns den Glauben!
Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu
diesem Maulbeerbaum sagen: Entwurzle dich und verpflanze dich ins Meer!, und er
würde euch gehorchen. (Lukas 17,5-6)

Da rührte er ihre Augen an und sprach: Euch geschehe nach eurem Glauben!
(Matthäus 9.29)

Und wir sehen, dass sie wegen des Unglaubens nicht hineingehen konnten.
(Hebräer 3,19)

(…)Lasst uns mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der vor uns liegt, indem wir hinschauen
auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens(…) Hebräer 12,1-2

Liebe Freunde,
Wer von euch möchte gern einen grösseren Glauben? Wer von euch möchte gerne einen
richtigeren Glauben? Wer von euch glaubt, dass er einen grossen/kleinen Glauben hat?
Genau die gleiche Frage haben die Apostel unseren Herrn Jesus auch gefragt. Respektive,
sie haben ihn gebeten, ihren Glauben zu stärken. Sie sagten: „Herr, mehre uns den
Glauben!“ und was hat Jesus Ihnen geantwortet?
Was Jesus ihnen geantwortet hat, kann sehr unterschiedlich ausgelegt und verstanden
werden. Je nach dem mit welcher Brille man die Bibel liest. Hat jemals irgendjemand von euch gelesen dass die Apostel zu einem Maulbeerbaum gesprochen haben er solle sich ins Meer stürzen und dass es geschehen ist? Oder dass sie zu einem Berg gesprochen
haben und er bewegte sich? Ich denke nicht.
Viele Jahre hinweg habe ich diese Bibelstelle immer so verstanden: „Ich brauche mehr
Glauben, wenn ich mehr Glauben hätte könnte ich…“ Ich habe in dieser Aussage also
nichts aufbauendes, nichts ermutigendes gesehen. Nichts, was meinen Glauben gestärkt
hätte sondern eher meine Selbstzweifel.
Dann wiederum habe ich die Stelle so verstanden, dass wir ja schon Glauben haben und
dass dieser Glaube, egal wie klein er auch sein mag (so gross wie ein Senfkorn) ausreicht
um Berge zu versetzen.
Aber was lesen wir? Stärke unseren Glauben; mehre unseren Glauben! Und Jesus sagt
Ihnen: „Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem
Maulbeerbaum hier sagen stürze dich ins Meer.“
Nun möchte ich mit euch eine kleine Reise in die Sprache des neuen Testaments
machen. Denn dieses kleine Wort „Wenn ihr Glauben hättet“ oder im Englischen „If you
had faith“ kann in der Auslegung und dem richtigen Verständnis dieser Passage sehr
matchentscheidend sein.

Schauen wir uns mal die Interlinear-Übersetzung an:

Das Wort das hier benutzt wird, ist das griechische „Ei“ – Nummer 1487 im Strong’s
Wörterbuch. Wenn wir uns nun die Definition von „Ei“ anschauen, sehen wir dass „Ei“ in
zwEi verschiedenen Formen/Bedeutungen verwendet werden kann:
Es kann entweder als Conditional Particle (bedingter Partikel) oder als Conjunction
(Konjunktion) verwendet werden.
Die HELPS Word-studies sagt dass das Wort „Ei“ generell so zu verstehen ist, dass es
einen Zustand als Real darstellt, obwohl es in Wahrheit nicht zwingend so sein muss. Es
dient daher als Stilmittel um einen (potenziellen) Sachverhalt als Realität zu bezeichnen.
Das Thayer’s Greek Lexicon unterscheidet in seiner Definition die zwei möglichen
Verwendungsarten als Partikel oder als Konjunktion.
Dies ist für die Auslegung von Römer 7,16; Galater 2,18; 1. Korinther 9,17 sehr
spannend. Aber auch für Galater 5,18; Hebräer 12,8 du – Jakobus 2.8
In all diesen Passagen wird „Ei“als Partikel (Conditional) verwendet und bedeutet so viel
wie „Falls das und das…. Aber dem ist ja nicht so“. Ich zeige euch ein paar Beispiele:
Römer 7,16: „Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so stimme ich dem Gesetz zu,
dass es gut ist.“ – Wenn ich das richtig verstanden habe, bedeutet dies für die Auslegung
folgendes: Wenn ich aber das tue, was ich nicht will (Was ich aber eben nicht tue; daher
angenommen ich würde tun was ich nicht wollte).

Daher: Paulus war selber nicht in diesem Zustand wo er das tat, was er nicht wollte.
Noch ein Beispiel:
Galater 2,18: „Denn wenn ich das, was ich niedergerissen habe, wieder aufbaue, so
stelle ich mich selbst als Übertreter hin.“ Auch hier wird wieder ein Hypothese gemacht.
Das heisst, WENN er die Sachen wieder aufbauen WÜRDE (was er aber nicht macht)
DANN würde er sich selber als Übertreter hinstellen.
Für Galater 5,18 bedeuetet dies: „Wenn ihr aber vom Geist geleitet würdet (anm. d.
Autors), so wärt (anm. d. Autors) ihr nicht unter dem Gesetz.“ – Vergesst nicht, er spricht
hier zu Galater, das heisst nicht dass das zwingend für jeden von uns gilt; jeder prüfe
sich selbst!
Kommen wir nun zum Punkt: Genau das gleiche ist auch hier der Fall:

Jesus sagt quasi zu Ihnen: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, dann könntet ihr
all diese Sachen machen – aber den habt ihr nicht.
Ich wiederhole: Die Apostel fragen Jesus: „Mehre unseren Glauben“ und Jesus antwortet
ihnen: „Ihr habt gar keinen Glauben“. Heavy oder?
Ich muss sagen, als ich das beim vorbereiten der Predigt realisiert habe, konnte ich es
anfangs gar nicht richtig wahr haben. Es ging nicht in meinen Kopf dass Jesus etwas so
niederschmetterndes zu seinen Jüngern sagen würde wenn sie ihn um etwas sehr
legitimes bitten. Wie wir aber weiter sehen werden dient diese Ent-täuschung dazu uns
eine viel schönere und bessere (stärkere und festere) Wahrheit zu offenbaren =D
Wie wir wissen, gibt es ja viele Glaubenshelden in der Bibel, sowohl im alten als auch im
neuen Testament. Die grösste Aufzählung finden wir in Hebräer 11. Ich glaube an keiner
anderen Stelle in der Bibel wird so sehr auf das Thema Glauben eingegangen wie in
Hebräer 11.
Wenn wir uns die in Hebräer 11 aufgeführten Glaubenshelden anschauen und diese mit
den Worten der Apostel vergleichen bemerken wir einen kleinen aber wichtigen
Unterschied. Dieser Unterschied liegt meiner Ansicht nach im Fokus des Glaubens.
Während die Apostel in der oben erwähnten Geschichte zu Jesus sagten: „mehre uns
(unseren) Glauben.“ Sehen wir in Hebräer 11 Menschen die zu Gott aufschauten, die
Ihren Blick auf Gott gerichtet hielten.
Das ist ein ganz wichtiger und wesentlicher Unterschied! Dein Glaube liegt nicht in dir!
Dein Glaube gehört nicht dir! Du hast keinen Glauben (in dir selbst)! Wenn du in dir
nach Glauben suchst wirst du zu Jesus sagen müssen: „Ich glaube, hilf meinem
Unglauben!“ (Markus 9,24). Was der Vater dieses dämonisierten Jungen hier wohl
auszudrücken versuchte war: „Ich gebe auf, du bist meine letzte Hoffnung!“. Und darum
geht es beim Glauben.
Glauben (und Gebet) ist im Grunde genommen nichts anderes als wegschauen von sich
selber und hinschauen auf wen? „Auf den Anfänger und Vollender des Glaubens“
(Hebräer 12,2). Der Schreiber legt dort einen ganz wichtigen und wertvollen Eckstein
für unseren Lebenswandel!

„Da wir nun eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, so lasst uns jede Last ablegen
und die Sünde, die uns so leicht umstrickt, und lasst uns mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der vor uns liegt, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der
vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichtsachtete, und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat.“(Hebräer 12,1-2)

Wer von euch möchte gerne die Sünde ablegen die jeden von uns so leicht umstrickt?
Wer von euch möchte gerne mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der vor uns liegt?
Wer von euch möchte nicht müde werden und den Mut verlieren? (V.3)
All dies wird möglich, indem wir auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens
hinschauen! Weshalb? Oder wie?

Römer 10,17 sagt uns ,dass der Glaube aus der Predigt und die Predigt aus dem Wort
Gottes kommt. Letztlich kommt also auch der Glaube direkt aus dem Wort Gottes,
welches da ist: Jesus Christus.
Im Englischen wird es noch etwas präziser formuliert; dort steht:
„So then faith comes by hearing, and hearing from the word of god.“
Das heisst übersetzt: „So kommt der Glaube durch das Hören, und das Hören durch Wort
Gottes.“ Man merke – vom hören; nicht vom gehört haben. Vom aktiven immer und
immer wieder hören des Wortes Gottes, welches da ist: Jesus Christus.
Bereits am Anfang der Bibel lesen wir wie Gott alles durch die Kraft seines Wortes
erschafft. Etwa in der Mitte der Bibel lesen wir dass Gottes Wort nicht leer zu ihm
zurückkehren wird, sondern dass es ausrichten wird, wozu es gesandt ist (Jesaja 55,1).
Jesus sagt: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht
vergehen.“ Und gegen Ende der Bibel lesen wir dass alles im Himmel und auf Erden
durch das Wort seiner Macht zusammengehalten wird.
Das heisst, Gott hat alles durch sein Wort erschaffen und hält alle Dinge durch sein Wort
zusammen. Wer also auf Gottes Wort (Jesus) baut, der baut auf den Felsen (Christus).
Wer auf seinen vermeintlichen Glauben baut, der baut auf Sand.
Die Gerechtigkeit aus Glauben aber sagt so: Sprich nicht in deinem Herzen: "Wer wird in den Himmel hinaufsteigen?", das ist: Christus herabführen; oder: "Wer wird in den
Abgrund hinabsteigen?", das ist: Christus aus den Toten heraufführen.
Sondern was sagt sie? "Das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen."

Das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen, (Römer 10,6-8)

In Hebräer 11 gibt es zwei weitere spannende Verse die ich euch nicht vorenthalten
möchte:
Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss
glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird. (V. 6)
Durch Glauben erhielt auch Sarah selbst die Kraft, schwanger zu werden, und sie gebar,
obwohl sie über das geeignete Alter hinaus war, weil sie den für treu achtete, der es verheißen hatte. (V. 11)

Liebe Freunde, wenn ich euch nun diese zwei Verse vorgelesen habe, so konzentriert
euch bitte nicht auf das „ohne Glauben ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen“.
Was ich in der ganzen Bibel hindurch sehe ist, dass es Gott vielmehr auf die Qualität
unseren Glaubens als auf die Quantität unseren Glaubens geht. Ein kleiner Glaube, so
gross wie ein Senfkorn reicht um Berge zu versetzen. Aber die Frage ist, erwarten wir
dass Gott denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird? Die eigentliche Frage ist: An
was für einen Gott glauben wir eigentlich?
Glauben wir an einen Gott der uns in die Wüste führt um uns zu töten oder glauben wir
an einen Gott der uns durch die Wüste in ein Land bringt wo Milch und Honig fliessen?

Glauben wir an einen Gott der geizt oder der freiwillig mehr als genug gibt? Glauben wir
an einen Gott der uns in der Wüste nur mit dem nötigsten versorgt oder der auch
zusieht dass während der Wanderung unsere Kleider nicht verrotten und unsere
Sandalen nicht zerreissen (5. Mose 29,4)?
Gott sagt an mehrere Stellen in der Bibel: „Dir geschehe nach deinem Glauben!“.
Das schlechte Bild welches die Israeliten von Gott hatten verhinderte ihnen den Eingang
ins verheissene Land (Hebräer 3,19).
Liebe Freunde, lasst uns auf Jesus hinsehen, der um der vor ihm liegenden Freude willen
das Kreuz erduldete, und dabei die Schande für nichts achtete, und sich zur rechten des
Thrones Gottes gesetzt hat. Indem wir unseren Blick fest auf die vor uns liegende Freude
halten, macht uns das stark um im Leiden bestehen zu können. Um standhaft zu bleiben
wenn es mal nicht so läuft wie wir gerne möchten. Wenn wir auf Jesus hinsehen der
zuerst niedriger wurde als die Engel, um anschliessend erhöht zu werden über alle
Mächte und Gewalten und der einen Namen geerbt hat der höher ist als alle anderen
Namen können auch wir die Schande für nichts achten, wenn uns die Leute um seines
Namens Willen schmähen.
Liebe Freunde, es ist ein grosses Geheimnis, was mit uns passiert, wenn wir auf Jesus
hinblicken. Die Bibel sagt uns dass wir in sein Bild verwandelt werden wenn wir ihn
anschauen. Das ist das gleiche was mit Petrus passiert ist, als er übers Wasser lief.
Solange er Jesus anschaute, wurde oder war er wie Jesus und ging übers Wasser. Sobald
er jedoch auf seine Umstände, den Sturm und die Wellen schaute, begann er zu sinken.
Liebe Freunde, wenn es etwas gibt, was ihr in eurem Wandel mit Gott tun könnt dann
dies: Haltet eure Augen fest auf den gerichtet der mehr als fähig ist euch zu erretten und
seinen Sohn in euch zu offenbaren. Lasst uns also, wie geschrieben steht auf Jesus
hinschauen und gutes von ihm erwarten, denn er ist treu, der es verheissen hat. Und so
wird es uns zuteil werden, nach „unserem“ Glauben.

Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr wisst, was die Hoffnung seiner Berufung, was der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen
und was die überragende Größe seiner Kraft an uns, den Glaubenden, ist, nach der Wirksamkeit der Macht seiner Stärke. Die hat er in Christus wirksam werden lassen, indem er ihn aus den Toten auferweckt und zu seiner Rechten in der Himmelswelt gesetzt hat, hoch über jede Gewalt und Macht und Kraft und Herrschaft und jeden
Namen, der nicht nur in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen genannt werden wird. Und alles hat er seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt.

 

Bild: https://www.opendemocracy.net/transformation/david-edwards/face-to-faith