Niemand hat grössere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.
(Johannes 5,13)
Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollendet. Daran
erkennen wir, dass wir in ihm sind. (1. Johannes 2,5)
Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er
uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.
(1. Johannes 4,10)

Liebe Freunde,
Da sind wir wieder – diesmal mit dem Königsgebot der Liebe. Ich glaube es gibt in den
christlichen Gemeinden wohl kaum ein Thema welches so stark gepredigt und so
schwach gelebt wird, wie das der Liebe. Eigentlich ist es schon fast unverschämt von
mir, mich überhaupt an solch ein Thema zu wagen, angesichts meiner immer noch stark
begrenzten Liebe. Wenn ich ehrlich bin möchte ich dieses Thema am liebsten meiden,
denn ich glaube es stellt für alle Menschen das wohl grösste Problem und die wohl
grösste Herausforderung dar. Eigentlich komisch, denn genau dazu sind wir geschaffen;
um Liebe zu empfangen und weiterzugeben. Auf der einen Seite scheint es die wohl
einfachste und banalste Sache der Welt zu sein; auf der anderen Seite ein wohl
unerreichbares Ideal – je nach dem in welcher Phase man sich gerade befindet.
Für mich persönlich ist das Wort „Liebe“ trotz Erfahrung und Überlegung immer noch
etwas sehr abstraktes. Wenn man in der Bibel nach einer Definition von Liebe sucht
kommt man wohl um 1. Korinther 13 nicht herum. Dort ist das Wesen der Liebe schon
mal sehr gut beschrieben. Das Problem, welches wir dort und auch sonst praktisch in
der ganzen Bibel haben, ist dass es keine Step-by- Step Anleitung ist, wie dies genau
umzusetzen ist. Es gleicht vielmehr einer Art Beschreibung oder gewissen Richtlinien in
der sich die Liebe bewegt.
Wenn jemand von euch also eine genaue Anleitung findet, in welcher Situation gelebte
Liebe wie aussieht, bin ich der Erste der davon gerne eine Kopie hätte. Um der Liebe und
der Wahrheit Willen versuche ich es erst gar nicht, selber so einen Katalog
zusammenzustellen. Was ich jedoch mit euch anschauen möchte ist, Gottes Liebe zu uns
und der Menschheit denn ich glaube, darin liegt der Schlüssel zu einem wahrhaftigen
Leben in der Liebe. So wie geschrieben steht: „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“
Wir sehen Gottes Liebe bereits am Anfang der Schöpfung. Gott bereitet alles für den
Menschen vor. Einen wunderschönen Platz/Garten voller schöner und faszinierender
Dinge die es zu entdecken gibt. Alles ist genau aufeinander abgestimmt und der Mensch
darf sich an Gottes vorbereitetem Werk erfreuen. Garten Eden bedeutet wörtlich Garten
der Freude und der Wonne. Genau für diese und Freude und Wonne wurde der Mensch
geschaffen (obwohl es noch einer grössere Freude und Wonne gibt, nämlich Gott selber).

Ich finde das Bild von einem jungen Ehepaar schön, welche für die Ankunft ihres Kindes
alles schön vorbereiten. Damit es, wenn es auf dieser Welt ankommt ein möglichst
sicheres und geborgenes Zuhause findet. So ist es auch mit Gott. Zwar wissen die Eltern,
dass das Kind auch Enttäuschungen wird durchmachen müssen und dass nicht immer
alles so laufen wird, wie es das Kind gerne hätte. Dennoch ist es der Wunsch des
Ehepaares, dass sich das Kind am Leben erfreut und dabei auch auf das Leben
vorbereitet wird. So auch der Mann mit seiner Braut: Er bereitet viele schöne
gemeinsame Momente vor für seine Geliebte.
Auch wenn es nicht auf alle Eltern zutreffen mag, Gott liebt es, im Überfluss zu
versorgen. Er hat einen überragenden Vorrat an Sonnenenergie geschaffen. Auch einen
überragenden Vorrat an Wasser, an Pflanzen, an Tieren, an Luft, an Erde, an
Nahrungsmitteln. Die Liebe liebt es, im Überfluss zu geben.
Und wenn dem Gegenüber ein Fehler unterlaufen sollte und es sich seiner Annahme und
seiner Stellung nicht mehr bewusst sein sollte, so bedeckt Gott (die Liebe) die Schande
des Gegenübers. Gott/die Liebe entblösst dich nicht, sodass du dich schämen müsstest.
Die Liebe mobbt andere nicht, sodass sie nicht mehr gerne an der Gesellschaft teilhaben
wollen. Vielmehr nimmt sie in Schutz, verteidigt sie, rückt in ein gutes Licht. So wie Jesus
bei der Ehebrecherin. Er hätte sie gut auch vor allen blosstellen können. Er hätte ihr den
letzten Todesstoss verpassen können. Er hätte Cool sein können vor den anderen, indem
er sie verurteilt, auf sie herunterblickt. Vielleicht noch ein Foto von ihr macht und es in
der ganzen Welt veröffentlicht. Er hätte sagen können, seht euch diese dumme Schlampe
an: Nicht nur treibt sie es mit einem anderen Mann, sie ist auch noch so blöd, sich dabei
erwischen zu lassen! Schande über dich du dumme Hure! Aber nein, so etwas hat er
nicht gemacht. Er hat ihre Schande bedeckt. Auch als die andere Frau kam und ihm beim
Essen bei Nikodemus mit Tränen die Füsse wusch und ihm mit ihren Haaren die Füsse
trocknete sagte er nicht: Was machst du da, du seltsame Frau?! Weißt du nicht, dass ich
heilig bin und du mich gar nicht anfassen dürftest, du sündige Frau?!? Nein, er sagte:
Deine Liebe hat dich gerettet, geh hin in Frieden! Er hat sich nicht für sie geschämt. Gott
(oder die Liebe) schämt sich nicht für uns Christen, er schämt sich nicht für die Kirche,
welche seine Braut ist (obwohl er dazu aus menschlicheer Sicht gesehen, viel Grund
haben könnte).
Wenn wir diese wunderbaren Eigenschaften Gottes sehen, seine Liebe zu uns Menschen,
erweicht das unser hartes Herz. Wir erkennen dann, wie sehr wir von seinem Ideal, von
seinem Ebenbild abgewichen sind. Wir erkennen dann, wie sehr wir darauf angewiesen
sind, ihn (die vollkommene Liebe) zu erkennen. Wir erkennen dann, wie sehr wir Gottes
Herrlichkeit verfehlt haben und wie wunderbar seine Herrlichkeit, er selber, sein Wesen
ist.
Aber Liebe geht über das bedecken von Sünden drüber aus. Die Liebe zeigt auch ganz
klar auf, was gut und was schlecht ist für den anderen. Die Liebe sagt nicht einfach: „Jaa,
ist doch egal wenn du von diesem Baum isst und stirbst.“ Ihr ist das Schicksal des
anderen nicht egal; im Gegenteil! Im Rahmen ihrer Möglichkeiten beugt sie sogar vor!
Wenn ein Kind Velo fahren lernt, dann schickt die Liebe sie nicht einfach auf die
Autobahn, sondern sie bringt es auf einen Spielplatz, mit Helm und Knieschonern. Damit,
wenn das Kind fällt, es möglichst sanft fällt. So auch Gott, er wusste, dass der Mensch
fallen würde. Und deshalb hat er schon vor Grundlegung der Welt, den Entschluss
gefasst, die Welt in Christus mit sich selbst zu versöhnen.

Die Liebe nimmt sich Zeit für den anderen, das sehen wir als Gott mit dem Menschen im
Garten spazieren ging oder als Jesus, obwohl die Tochter des Jairus im Sterben lag, sich
Zeit für die blutflüssige Frau nahm.
Als Gott uns Männern die Frau schuf, zeigte er uns damit, dass die Liebe den anderen
ergänzt, dort wo er selber vielleicht zu einseitig gestrickt ist. Liebe liebt es, den anderen
zu ergänzen und zu unterstützen, wo dieser in sich selber schwach ist. Ich glaube, die
Liebe hält richtiggehend Ausschau danach, den anderen zu ergänzen und ihm zuhilfe zu
kommen (ohne ihn zu bevormunden oder zu verweichlichen). Gottes Gnade (seine
unverdiente Liebe in Aktion) wirkt gerade dort besonders mächtig, wo wir Menschen in
uns selber schwach sind.
Gott/die Liebe straft die Sünde/das Böse, aber sie ist gut zu den bösen. Die Liebe wirft
nicht einfach alles in einen Topf. Sie verallgemeinert nicht, sie hat keine Vorurteile und
sieht hinter die Kulissen. Sie weiss, dass der Mensch, nicht aus sich selber heraus Böse
ist. Sie weiss, dass der Mensch nur ein Opfer der Sünde ist und genau deshalb ist sie
anders mit dem Problem der Menschheit umgegangen. Sie hat die Sünde verdammt,
aber den Menschen gerechtfertigt. Sie hat die Sünde zerstört, den Menschen aber
gerettet. Sie hat den Bösen/den Satan gebunden, den Menschen aber freigemacht. Die
Liebe schaut unserem bösen Treiben auf der Welt nicht einfach tatenlos zu, aber sie
wirkt oftmals viel subtiler als wir uns das gerne wünschen würden.
Ich könnte hier noch viel aufzählen, wenn man die Bibel nach Beispiele der Liebe
durchsucht wird man das ganze Band hindurch fündig.
Ich denke aber, einen Aspekt der Liebe haben wir noch nicht betrachtet. Wahre Liebe
hat etwas ganz wesentliches an sich, welches sie auszeichnet, einzigartig macht und ihr
die höchste aller Tugenden verleiht.
Die Liebe ist leidenschaftlich.
Die Liebe ist bereit grosses Leid zu ertragen, um derentwillen, welche Sie liebt.
Sie ist bereit, Schmerzen und Entbehrungen zu erdulden um das Heil und das Leben
anderer. Das sehen wir bei Jesus und den Menschen.
Zum Beispiel:
Wer von euch würde freiwillig selber vom Paradies wo kein Schmerz, kein Leid und kein
Elend sind auf diese Erde herunterkommen wo es Krieg, Leid und Schmerz gibt?
Jesus hat seine himmlische Behausung verlassen, er hat seine göttliche Gestalt abgelegt
und wurde einer, wie wir sind. Er hat den Komfort des Himmels verlassen und ist auf die
harte und unbarmherzige Kriegsfläche der Menschheit gekommen. Er ist in das seine
gekommen, er ist zu dem gegangen, was ihm gehört, aber die seinen (die, die ihm
gehören) nahmen ihn nicht auf. Er wurde abgelehnt, verlassen, verleugnet, verkauft,
geschlagen, bespuckt, verhöhnt, entkleidet, entblösst, gegeisselt und gemartert und
schliesslich gekreuzigt an unserer Statt. Ja, er erduldete sogar das verworfen werden
von Gott um unseretwillen, die schlimmste aller Qualen.
Und in dem allem ist er sich selber (der Liebe) treu geblieben und hat niemandem
gleiches mit gleichem vergolten. DAS ist Liebe. Er hat alles ertragen um unseres Lebens
Willen. Er hat nicht seinen eigenen Vorteil gesucht, sondern hatte stets unser Wohl vor

Augen. Deshalb spricht Paulus davon: Die Liebe erträgt alles, sie duldet alles, sie hofft
alles. Die Liebe gibt niemals auf. Sie sucht nicht ihren eigenen Vorteil, sondern was dem
anderen dient.
Es ist wie bei einer Frau die in Wehen liegt. Sie erträgt grosse Schmerzen bevor das Kind
zu Welt kommt. Ist es aber einmal da, so denkt sie nicht mehr an die Schmerzen um der
Freude Willen dass ein Kind zur Welt gekommen ist.
Liebe Freunde,
Wo sind wir dazu bereit, solches auf uns zu nehmen oder zu erdulden um derentwillen
die uns nicht einmal lieben, sondern uns verfolgen und verschmähen und betrügen uns
böses wollen?
Wahrscheinlich nirgendwo. Wir sind es ja nicht einmal bereit, bei denen die uns
eigentlich selber lieben (unseren Ehepartner zum Beispiel).
Ich hoffe diese Predigt trifft jeden von uns in Herz. Ich hoffe, jeder von uns spürt jetzt
einen Schmerz darüber, wie beschränkt, einseitig und eigennützig unsere Liebe oftmals
ist. Und wenn wir diesen Schmerz jetzt verspüren dann möchte ich dass wir
folgendermassen darauf reagieren:
Ich möchte dass wir innerlich an unsere Brust klopfen und sagen: Herr, ich habe keine
Liebe, es sei denn du schenkst/gibst sie mir. Ich kann nicht Lieben, es sei denn ich werde
zuerst von dir geliebt. Und wenn wir das sagen möchte ich, dass wir uns vor Augen
halten dass Gott uns von je her geliebt an. Vor Grundlegung der Welt hat er uns geliebt,
und den Entschluss gefasst uns seine Liebe zu erweisen. Er hat seine eigene Liebe in
unsere Herzen gegossen, beziehungsweise er giesst sie weiterhin ständig in uns aus, bis
zum überfliessen. Seine Liebe fliesst, indem wir seine Liebe sehen. Indem wir uns seine
Liebe und Zuneigung zu uns vor Augen halten. Indem wir uns seinen Sohn vor Augen
halten und was er für uns getan hat.
Unsere fehlende Liebe soll uns noch vielmehr an sein Herz ziehen. Sie soll uns noch viel
mehr von dem Wasser und dem Wein trinken lassen, welches wir so dringend brauchen
und welches im Überfluss für uns bereitsteht.
Wenn deshalb gesagt wird: Männer, liebt eure Frauen! So sollen wir uns stets vor Augen
halten: So wie Christus die Gemeinde geliebt hat und sich selbst für sie hingegeben hat.

Bild: https://www.google.ch/search?biw=1536&bih=1210&tbm=isch&sa=1&q=liebe&oq=liebe&gs_l=psy-ab.3..0i67k1j0j0i67k1j0.16357.16984.0.17140.5.5.0.0.0.0.102.400.4j1.5.0….0…1.1.64.psy-ab..0.5.398….0.2lmtpFjZp0c#imgdii=wWVL-bjHZ7FU6M:&imgrc=JTf_cWkivqgMzM: