Liebe Freunde

Beim Vorbereiten dieser Predigt ist mir zum ersten Mal der Unterschied zwischen Angst und Furcht bewusst geworden. Während die Angst oft mit einem unkonkreten Etwas ausgelöst / beschrieben wird, hat Furcht laut den gängigen Definitionen mit etwas realem zu tun. Der Grund weshalb ich darauf gestossen bin, ist dass in der Bibel viel von Furcht geschrieben wird («Fürchte dich nicht») aber nur wenig von Angst. Trotz dieser Definitionsunterschiede werde ich nachfolgend eher das Wort Angst benutzen, da es unserer Alltagssprache näher ist. Nichts definiert einen Menschen so sehr wie seine Ängste und wie er mit ihnen umgeht.
Der Mensch hat, gemäss der Bibel zwei essenzielle Ängste die er überwinden muss.
Diese sind:

  • Die Angst vor dem Sterben (der Tod)
  • Und die Angst vor Blösse (Offenbarung seiner Unzulänglichkeiten).

Jetzt möchte ich mit euch eine Reise zurück zum Garten Eden unternehmen:

Stellt euch vor eurem geistlichen Auge Adam und Eva vor. Seht sie nicht als naive kleine Kinder an, sondern seht sie so, wie Jesus in seiner Herrlichkeit aussah: Frei, voller Würde, voller Liebe, voller Gnade und Wahrheit. Stark und Herrlich. Sie waren die Repräsentanten Gottes auf Erden. Obwohl sie nackt waren, war ihre Nacktheit nicht offenbart, denn sie waren von Gottes Herrlichkeit umgeben (sie waren mit Gottes Herrlichkeit bekleidet!). Was sie sagten, musste geschehen. Alle Tiere waren ihnen untertan und auch alle Bäume, Pflanzen und Sträucher bewunderten sie. Es gab keinen Zweifel: Sie sind die Auserwählten Gottes. Sie sind die Krone der Schöpfung; sogar die Engel beneideten sie!

Nun, was ist passiert, als sie dem Satan glaubten und vom Baum der Erkenntnis assen?

Ihnen wurden die Augen geöffnet und sie erkannten, dass sie nackt waren.

Was bedeutet das?

Liebe Leute, mal ganz ehrlich: Der springende Punkt war nicht, dass sie nackt waren.

Wovor sollten sie sich denn schämen? Etwa vor den Tieren? Etwa vor den Bäumen und Pflanzen? Sie sind doch die ganze Zeit schon nackt gewesen, für die, die sie sahen, machte das blosse Nacktsein keinen Unterschied! Nein, der springende Punkt war der: Sie erkannten, was sie ohne Gottes Herrlichkeit waren: Nämlich nichts. Der Wert, die Stellung, die Ihnen von Gott verliehen war, war plötzlich… weg..

Man könnte es sich in etwa so vorstellen, wie wenn einer reich ist und alle ihn beneiden und respektieren weil er reich ist. Wenn er plötzlich seinen Reichtum verliert; wer ist er dann noch? Er fühlt sich nackt, er fühlt sich verwundbar, er möchte sich am liebsten verstecken. Und genau das war es, was Adam und Eva getan haben.

Sie bedeckten sich mit einem Feigenblatt und versteckten sich vor Gott.

Nun, hier gibt es eine ganz wichtige Lektion zu lernen, wenn wir den Wandel im Geist und den Wandel im Fleisch verstehen wollen: Beim Menschen geht es immer wieder um «Sein» und «Haben». Wenn der Mensch nicht mehr weiss, wer er ist; dann füllt er seinen Mangel mit «Haben». Als Adam und Eva ihr «Sein» aus den Augen verloren, füllten sie ihre Leere mit «Haben» – dem Feigenblatt. Und das ist auch der Grund, weshalb Jesus im neuen Testament den Feigenbaum verdorrte! Diese Geschichte ist ein Bild dafür, wie sehr Gott es hasst, wenn sich Menschen hinter irgendetwasem vor ihm verstecken, statt offen und ehrlich vor ihn hinzutreten und von ihm in ihrer Stellung und Identität bekräftigt zu werden!

Gott will, dass wir zu ihm kommen und von ihm Vergebung und Rechtfertigung (in die richtige Stellung versetzt werden) empfangen, wenn wir Scheisse gebaut haben! Aber aus Angst vor seiner Blösse, aus Angst vor seiner Unvollkommenheit versteckt sich der Mensch vor Gott! Liebe Freunde, wenn wir wahrhaftig vor Gott treten wollen, müssen wir das ohne Angst vor unseren Fehlern und Makeln tun! Deshalb sagt Jesus, dass die, die den Vater anbeten wollen, ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten sollen! Im Geist, also im Sein und in der Wahrheit, also ungeschminkt. Ohne sich zu verstellen und versuchen ihm etwas vorzumachen!!

Das, was die Pharisäer taten war genau das Gegenteil, sie kamen vor Gott mit ihrem Tun. Sie dachten, Gott würde es beeindrucken, wenn Sie X-viele religiöse, geistliche Praktiken taten und sich damit brüsteten. Aber nein, Gott rechtfertigt die Sünder! Nicht die Selbstgerechten! Das Feigenblatt, hinter dem sich Adam und Eva versteckten ist ein Bild für diese Selbstgerechtigkeit! Es sagt quasi aus: Weil ich unwürdig bin, so vor dich hinzutreten wie ich bin, suche ich mir etwas, hinter dem ich mich verstecken kann um nicht nackt vor dir zu stehen! Aber Gott hatte bereits etwas anderes, besseres im Sinn!

Was ist schon ein Feigenblatt im Vergleich zu seiner Herrlichkeit, die am vollbrachten Werk am Kreuz offenbar wurde?

Gott hatte ihre Rechtfertigung bereits geplant! Er hatte schon im Sinn, wie er sie wieder in ihre Stellung versetzen wollte! Und deshalb machte er ihnen auch ein Gewand aus Fellen, was ein Bild für das Jesus, das geschlachtete Lamm Gottes ist. Das Fell, mit dem Gott die beiden bekleidete ist ein Bild für die Herrlichkeit und Gerechtigkeit die uns mit Jesus, dem Lamm Gottes gegeben wurde. Diese Geschichte ist auch ein Bild für unsere Bekehrung und unser Leben als Christ. Bei unserer Bekehrung erkennen wir, wie nackt und erbärmlich wir ohne ihn sind.

Doch dabei darf und soll es nicht bleiben!

Gott will unseren Blick schärfen für seine Gerechtigkeit und Herrlichkeit! Wer sich unter Herrlichkeit nichts vorstellen kann, dem gebe ich ein Bild mit auf den Weg: Stell’ dir vor, du siehst vor dir eine Sonne emplodieren. Die Ansicht der vor dir explodierenden Sonne raubt dir den Atem und versetzt dich in Staunen! Du wirst voll und ganz umfangen vom Licht, der Wärme und der Energie/Kraft, dessen, was vor dir gerade geschieht! So etwa müssen sich meiner Vorstellung nach die Jünger gefühlt haben, als sie Jesus auf dem Berg der Verklärung sahen. (Das ist die Stelle wo Mose und Elia erscheinen und Petrus fragt ob er den dreien eine Hütte bauen soll.)

Nun, die zweite Angst, der sich der Mensch im Leben stellen muss, ist die Angst vor dem Tod: Ich behaupte, jeder Mensch hat Angst vor dem Tod. Auch Christen. Und deshalb ist es wichtig, dass wir vollkommen Gewiss sind, dass uns als Christen nach dem Tod nur Liebe, Gnade und Herrlichkeit erwarten.

Jesus «kostete» / «schmeckte» / «besiegte» / «überwand» am Kreuz beide Ängste:

Die vor dem Tod und die vor der Blösse.

Er hing nackt am Kreuz!

Nackt hing er vor den Menschenmassen die ihn verlachten und ausbuhlten und sich über ihn lustig machten! Die ihn herausforderten, er solle doch vom Kreuz heruntersteigen und sich selber retten, wenn er der verheissene Messias war.

Nun, ich gebe euch noch eine Offenbarung liebe Leute:

Wisst ihr, wie Jesus diesen schwierigen Weg zum Kreuz auf sich nehmen konnte? Jesus wusste, was ihn erwartete, er betete in der Nacht noch zu Gott, dass er (der Vater) diesen «Kelch» also dieses Schicksal, welches ihn (Jesus) erwartete, doch an ihm (Jesus) vorübergehen lassen sollte, wenn es möglich wäre. Jesus betete also: «Wenn es geht, so lass’ mich das nicht durchmachen. Aber nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.» Er schwitzte Blut, so sehr hatte er Angst vor dieser vor ihm liegenden Prüfung! Und in dieser dunklen Stunde kamen Engel und dienten / stärkten ihn. Also, wie empfing Jesus Kraft um den beiden grössten Ängsten der Menschheit auf einmal zu begegnen?

Indem er sich Gottes vollkommener Liebe bewusst wurde.

Johannes schreibt im ersten Johannesbrief Kapitel 4 Vers 18:

«Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.»

Da Jesus wusste, dass Gott ihn und die Menschen liebte und ihn (Jesus) auch rechtfertigen würde (also ihn Auferstehen lassen würde), konnte er den vor ihm liegenden Kreuzesweg; die «Via Dolorosa», den «Schmerzensweg» auf sich nehmen. Und weil er voll war von dieser Liebe, konnte er am Kreuz auch der Versuchung standhalten, sich selber zu helfen und dem vor ihm liegenden Schicksal zu entkommen.

Er konnte seinen Lauf laufen. Bis zum Schluss.

Und das alles, weil er sich Gottes Liebe bewusst war.

Tue du es ihm gleich.